Wenn es um den baulichen Brandschutz geht, ist ein bloßes "Fenster auf" im Brandfall nicht ausreichend. Die Norm DIN 18232 regelt in Deutschland die strengen Pflichten für Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA). Erfahren Sie, warum der aerodynamische Aw-Wert über Leben entscheidet und welche rechtlichen Risiken bei einer fehlenden RWA-Wartung drohen.
Mehr als nur Rauchabzug: Das Prinzip der raucharmen Schicht
Das primäre Ziel einer natürlichen Rauchabzugsanlage (NRA) nach DIN 18232-2 ist nicht, den gesamten Rauch aus einem Gebäude zu saugen – dies ist physikalisch bei einem Vollbrand kaum realisierbar. Die Kernaufgabe der Sicherheitstechnik ist der Aufbau einer stabilen, raucharmen Schicht im unteren Bereich des Raumes.
Durch den thermischen Auftrieb steigen heiße Brandgase nach oben und sammeln sich unter der Decke (Rauchschichtung). Die RWA-Anlage muss exakt so dimensioniert sein, dass sie im oberen Bereich denselben Volumenstrom abführt, der durch die Wärmefreisetzungsrate des Feuers neu entsteht. Nur durch diese thermische Balance bleibt die Fluchtwegschicht am Boden für die Evakuierung passierbar.
Der Aw-Wert als kritische Berechnungsgröße für Fachplaner
Ein fataler Planungsfehler im Brandschutz ist die Verwechslung der geometrischen Öffnungsfläche (die tatsächliche Abmessung der Dachluke) mit der aerodynamisch wirksamen Öffnungsfläche (Aw-Wert). Die DIN 18232 schreibt zwingend die Berechnung auf Basis des Aw-Wertes vor.
Dieser Wert berücksichtigt komplexe physikalische Faktoren wie Seitenwindeinflüsse, den Öffnungswinkel der Abzugsklappen und Strömungsverluste. Eine Dachluke mit 2 m² geometrischer Fläche erreicht je nach Konstruktion oft nur einen Aw-Wert von 1,2 m² bis 1,4 m². Ist dieser Wert bei der Gebäudeplanung zu gering dimensioniert, kollabiert die raucharme Schicht im Ernstfall.
DIN 18232-10: Strenge Pflichten für die RWA-Wartung
Mit der Aktualisierung der Norm (Teil 10) haben sich die Pflichten für Gebäudebetreiber massiv verschärft. Eine oberflächliche Sichtprüfung der RWA-Klappen ist gesetzlich nicht mehr zulässig. Die Instandhaltungsrichtlinien fordern nun die systematische Prüfung aller Leitungskomponenten, der Notstromakkumulatoren sowie der pneumatischen oder elektrischen Auslösemechanik.
Zudem dürfen diese Wartungsarbeiten ausschließlich von zertifizierten Fachkräften (oft nach VdS 2098) durchgeführt werden. Beauftragt ein Betreiber ungeschultes Personal, erlischt im Schadensfall der Versicherungsschutz und es drohen gravierende Haftungsrisiken.






